KOMMUNALPOLITIK

Die Mittelstands- u. Wirtschaftsvereinigung Oldenburg Stadt im Gespräch mit CDU-Oberbürgermeisterkandidaten Prof. Dr. Gerd Schwandner

Gerd Schwandner

Der parteilose Prof. Dr. Gerd Schwandner ist der Oberbürgermeisterkandidat der CDU der Stadt Oldenburg für die Kommunalwahl 2006. Er ist am 22.05.1951 geboren, verheiratet und interessiert sich für Sport, Reisen und alles, was mit Kultur zu tun hat. Neben seiner Tätigkeit als Hochschullehrer engagiert er sich in verschiedenen Firmen. Abends gönnt er sich gelegentlich ein Glas Rotwein, entweder beim Lesen zuhause, so liest er gerade Ian McEwans Roman „Saturday“, oder wenn er die Oldenburger Gastro-Szene erkundet. Das Wochenende gehört dem Sport: Schwandner interessiert sich für Fußball (Er ist wie Jürgen Klinsmann in Göppingen geboren) und Basketball.


Das Gespräch liegt bereits etwas zurück, viele Inhalte sind jedoch weiterhin aktuell.
Die MIT Stadt-Oldenburg begrüßt die Sichtweise des Oberbürgermeisters Schwandner "über den Tellerrand" hinaus. Die neue Arbeitsweise der Stadtverwaltung mit großer Möglichkeit der Bürgerbeteiligung wird unterstützt.

Die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung Kreisverband Oldenburg Stadt sprach mit Herrn Prof. Dr. Gerd Schwandner:

Gerd SchwandnerHerr Prof. Dr. Schwandner, Sie haben sich ausweislich Ihrer abwechslungsreichen Vita schon auf vielen unterschiedlichen Gebieten engagiert. Was hat sie dazu bewogen, sich in Oldenburg für das Amt des Oberbürgermeisters zur Wahl zu stellen?

Man kann als Oberbürgermeister in einer Stadt mit einer testiert hohen Lebensqualität, diesem Charme, diesem Potenzial, aber auch ausgehend vom bereits erreichten Niveau richtig viel für die Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger bewegen. Ich hatte mir immer vorgenommen, dass ich ab einem bestimmten Alter noch mal an verantwortlicher Position in der Politik tätig werde, wo ich etwas zurückgeben kann. Lutz Stratmann hat mich vor einem Jahr gefragt, ob ich kandidieren möchte. Und einem solchen Angebot kann man sich bei einer reizvollen Stadt wie Oldenburg einfach nicht entziehen. Die Stadt kannte ich ja schon über meine Tätigkeit als Staatsrat in Bremen, fand sie immer schön und mein Eindruck hat sich im letzten halben Jahr jetzt weiter vertieft.

Warum engagieren sie sich überhaupt in der Politik?

Ich war schon immer ein politischer Mensch und wollte auch politisch mitgestalten, weil ich finde dass es zu einer ganz normalen demokratischen Pflicht im Leben gehört, sich auch in seinem Gemeinwesen für das Gemeinwesen einzusetzen. Und das kann man auf unterschiedliche Art und Weise tun. Man kann es entweder direkt politisch machen, indem man mit oder in einer politischen Partei in den entsprechenden demokratischen Gremien mitarbeitet. Man kann sich auch im Ehrenamt engagieren oder auch in kirchlichen Organisationen. Das hängt immer ein bisschen von den eigenen Neigungen ab und was man sich zutraut und wie das eigene Persönlichkeitsprofil ist.

Weshalb benötigt die Stadt Oldenburg gerade Sie als Oberbürgermeister und nicht noch einmal Herrn Schütz?

Das ist relativ einfach zu beantworten, wenn man das Profil und die Stärken der Stadt ansieht: Oldenburg ist eine bürgerliche, durch viele Kulturangebote geprägte Stadt. Mit dem größten Arbeitgeber Universität und mit anderen Hochschulen ist sie eine Wissenschaftsstadt. Mit viel Innovation auch, wenn man nur z.B. an das Offis denkt. D.h., Sie haben die Themen Wissenschaft, Kultur, Technologie-Transfer und Wirtschaft. Und das sind genau meine Hauptthemen, die sich auch durch meine Biografie ziehen. Insofern passe ich als Kandidat sehr gut zu den Stärken Oldenburgs. Dazu kommt: Eine Stadt dieser Größenordnung und auch mit diesem Anspruch braucht heute auch an der Stadtspitze ein stärkeres internationales Profil. Und internationales Profil ist etwas, wofür ich ausweislich meiner Biografie stehe.

Wie wollen Sie Oldenburg ein stärkeres internationales Profil geben?

Das geht zum einen über die globalisierte Wirtschaftswelt, in der Oldenburg zu einem ernst zu nehmenden Standort ausgebildet werden muss. Die Aufgabe eines Oberbürgermeisters ist ja selbst nicht direkt, Arbeitsplätze zu schaffen, das ist klar, aber man kann über Konferenzen und Kongresse, über persönliche Kontakte, über Einladungen usw. Kontakte herstellen und moderieren. Da glaube ich, sehr viel für die Stadt tun zu können.

Welche Pläne haben Sie im Falle Ihrer Wahl für die Stadt Oldenburg?

Ein Aspekt ist, die Stadtverwaltung so zu modernisieren, dass sie sich auch als schlagkräftige Dienstleistungsorganisation für die Bevölkerung und jetzt speziell in unserem Falle auch für die Wirtschaft versteht. Das ist bislang nicht der Fall. Das ist eine Hauptaufgabe. Die zweite Aufgabe ist, mit den wichtigen Einrichtungen gemeinsam an einem Strang zu ziehen, um Oldenburg so zu positionieren. Um da ein Stichwort zu nennen: Die Universität muss mehr mit der Stadtverwaltung verknüpft werden, damit man auch merkt, dass man in einer Universitätsstadt lebt und arbeitet, und nicht nur, dass man bei der Ansage auf dem Bahnsteig davon erfährt. Ein anderer Bereich wäre das Thema Wirtschaftsförderung. Da würde ich mir sehr genau angucken, wie das bisher organisiert ist und was man das anders organisieren kann, damit Entscheidungen schneller, auch im Sinne der Wirtschaft getroffen werden können. Das heißt, dass ich mir überlege, wie die Rechtsform geändert werden kann, wobei ich kein Verfechter von lediglich Änderungen von Rechtsformen bin. Das macht nur dann Sinn, wenn man die Wirtschaft mit auch als Gesellschafter in ein Boot holt und zwar nicht als Alibi, sondern, dass man in diesen Gremien dann tatsächlich auch Entscheidungen treffen kann.

Gib es weitere Ideen und Vorstellungen für die Förderung der Oldenburger Wirtschaft?

Ich mache ja im Moment eine Tour durch die Betriebe in Oldenburg und höre mir auch Sorgen und Nöte der Unternehmer und ihrer Mitarbeiter an. Manche Firmen verlassen Oldenburg, weil ihnen die Stadt keine Expansionsflächen anbieten konnte. Andere sind verärgert, weil ihnen die Stadt mit ihrer Bürokratie dauernd im Wege steht. Da gibt es eine Fülle von kleinen Einzelproblemen, um die sich ein Oberbürgermeister kümmern muss.

Zum Beispiel gibt es bei einem Möbelhaus eine ganze Reihe, von, wie ich finde, absolut lächerlichen Problemen, bei denen die Stadt die Firma behindert, da fasst man sich nur an den Kopf. So wie dieser Firma auch gleich zwei Tage nach Dienstantritt von Herrn Stadtbaurat Dr. Pantel ein Projekt untersagt wurde, das vorher schon unterschriftsreif formuliert war. Gerd Schwandner

Es gibt also auch konkrete Beschwerden aus Oldenburger Unternehmen, die sagen, die Rahmenbedingungen stimmen in Oldenburg nicht?

Oldenburg ist eine auch für die Wirtschaft attraktive Stadt, aber es gibt im Prinzip drei Arten von Beschwerden. Es gibt zunächst die allgemeine Beschwerde, dass die Stadt zu wenig wirtschaftsfreundlich ist mit ihrer Wirtschaftsförderung, vor allem, was die Gewerbeflächen angeht. Dies findet sich ja auch im neuen Städte-Ranking der Wirtschaftswoche als eine der Hauptschwächen Oldenburgs wieder. Das Zweite ist die Verkehrsinfrastruktur. Offensichtlich gibt es in der Stadt immer noch Kräfte, die den Kampf gegen das Auto als ihr höchstes Ziel betrachten. Das halte ich für völlig albern. Z.B. das Stichwort „Parkplatz- oder Straßenrückbau“, also: aus gut funktionierenden Straßen schlechte machen zu wollen. Das halte ich für absurd, erst recht, wenn man kein Geld hat. Dann sollte man sich diese Kosten sparen. Und das Dritte sind eben ganz spezifische firmenbezogene Einzelprobleme, wie Zufahrtsmöglichkeiten oder Gewerbeerlaubnis für eine Erweiterung oder die Gebühr für irgendein Vorhaben, also solche Dinge.

Wie stellen Sie sich den Umgang mit dem Mittelstand Oldenburgs vor?

Unser Wahlkampfmotto lautet „Zuhören. Anpacken.“ Das ist auch mein Politikverständnis. Ich würde erstmal als Gesprächspartner für die Probleme zur Verfügung stehen und dann sehen, dass man möglichst rasch die Probleme lösen kann. Das wird nicht immer gehen, das ist natürlich klar. Aber ich würde schon jedenfalls versuchen, möglichst wirtschaftsnah zu entscheiden. In einem Konflikt zwischen einem Einzelinteresse und einem Wirtschaftsinteresse muss das Wirtschaftsinteresse vorgehen.
Abgesehen davon – mein Arbeitsstil wäre ja ohnehin so, dass ich auf kurzem Wege immer erreichbar bin. Das heißt, wenn jemand ein Problem hat, dann kann er mich anrufen oder mir eine E-mail schicken Oft lese ich meine E-mails bis spät nachts und beantworte sie in der Regel selbst.

Wie wollen Sie Oldenburg stärker in den Prozess Jade-Weser-Port einbringen, damit die Stadt dort vielleicht auch eine aktive Rolle spielen kann?

Es muss zunächst festgestellt werden, wie weit das dort schon ist. Bei manchen Problemen würde ich mich eher zurückhalten. Das sind Fragen des Naturschutzes, das sollen die dort selbst ausfechten. Aber Oldenburg ist ja bei der ganzen Verkehrsinfrastruktur direkt betroffen. Die Güter, die dort ankommen, bleiben ja nicht in Wilhelmshaven und werden dort gestapelt, vergraben oder was auch immer, sondern die müssen ja irgendwo hin. Sie müssen hier durch Oldenburg durch und da muss man natürlich sehen, dass das so verträglich wie möglich gemacht wird, und dass vielleicht das ganze Projekt dazu genutzt wird, die schienengebundene Verkehrsinfrastruktur des Nordwestens zu verbessern. Und da lässt sich noch vieles verbessern.

Wie stehen Sie zu der in der Vergangenheit immer mal wieder diskutierten Veräußerung der städtischen Anteile an der GSG?

Dem stehe ich skeptisch gegenüber. Mein Eindruck ist, dass die GSG ein richtiges Pfund ist, mit dem die Stadt auch viel besser arbeiten kann. Also meine Tendenz ist, der GSG noch mehr Aufgaben zu übertragen, die sie besser machen kann als vielleicht Einrichtungen der Stadt bisher. Ich bin allerdings ohnehin kein Ideologe, was die Privatisierung von städtischem Eigentum angeht, weil ich glaube, dass eine Stadt es genauso gut betreiben kann wie die Wirtschaft, wenn sie gute Leute hat. Trotzdem würde ich immer überprüfen, was Aufgabe der Stadt ist. Es gibt Städte, die verstehen sich als Gemeinwesen und gleichzeitig als Unternehmen und handeln auch so. Schnell, im Wirtschaftsinteresse, trotzdem bürgernah und alle sind zufrieden. So würde ich das auch machen wollen.

Der Rat der Stadt hat Ende Juni 2006 zugunsten des Baus des ECE-Einkaufcenters gestimmt. Was raten Sie dem betroffenen Einzelhandel jetzt und wie wollen sie ihn im Falle Ihrer Wahl unterstützen.

Gerd Schwandner Also, erstmal ist es traurig, dass der Rat dieses wichtige Thema zwei Monate vor der Wahl auf Druck der Verwaltung durchgepeitscht hat. Das ist politisch hoch fragwürdig. Man kann auch Arroganz der Macht dazu sagen. Wenn ich Befürworter des ECE’s wäre, hätte ich dazu eine Volksabstimmung gemacht – nach der Kommunalwahl. Im Wahlkampf hätte ich mit einem guten Gewissen dafür geworben und dann mit dem Votum der Bürger das ECE-Center durchgesetzt. Dieses gute Gewissen hat die Verwaltungsspitze anscheinend nicht. Jetzt muss man sehen, dass man alle Rechtsmittel ausschöpft, um das ECE zu verhindern. Das ECE wird der Stadt Oldenburg nicht gut tun. Das ist für mich aus mehreren Gründen völlig klar. Der Denkmalschutz ist dort überhaupt nicht gelöst. Es wird dem Schloss nicht gut tun. Das zweite, nachrangige Argument ist die Qualität der Architektur selbst. Die Frage der Hochgarage ist ökologisch hoch schädlich. Jeder weiß, dass die Dieselfahrzeuge den ganzen karzinogenen Ruß in die Gegend blasen. Wir haben ja nicht in jedem Fahrzeug einen Rußfilter. Die Brems- und Reifenabriebe werden in vollem Umfang in die Luft gepustet. Bei einer Tiefgarage wäre das nicht so. Da müsste das ECE Filter einrichten. Das wäre eine ganz andere Situation. Die Parkplätze insgesamt sind viel zu wenig. Wir brauchen eher an die 800 Stellplätze, um auch die Parkplatznot der Stadt zu lindern. Das wäre eine ideale Gelegenheit gewesen. Ein dritter wichtiger Punkt ist die Situation des Einzelhandels. Hier muss man schon selbstkritisch auch an die Oldenburger Geschäfte und vor allem an die Besitzer der Innenstadt-Immobilien appellieren. Sie müssen feststellen, ob der Mix, der hier derzeit angeboten wird, auch gleichzeitig für die Zukunft genügend attraktiv ist. Da habe ich schon meine Zweifel. Aber es ist völlig klar, die Situation wird sich dort dramatisch verschlechtern, wenn das ECE-Center kommt. Das heißt, die guten Geschäfte, die auch in der mittleren Preislage sind, z.B. Zara und Douglas, müssen alle in das ECE-Center. Dabei haben sie ja auch jetzt ganz attraktive Geschäfte, auch von der Fassade her. Sie sind zwar modern, passen aber ganz gut in das Bild der Innenstadt. Dann haben wir nur noch diese 1-Euro-Läden - eine grauenhafte Vorstellung. Das heißt, die Innenstadt droht zu veröden. Dabei macht es ja genau den Charme Oldenburgs aus, dass Sie in der Innenstadt herumlaufen können, durch diese kleinen Straßen mit dieser Bebauung, sich zwischendurch in ein Cafe setzen können usw. Deswegen kommt man aus den Niederlanden und Bremen nach Oldenburg. Man fährt nicht aus lauter Verzweiflung nach Oldenburg, frei nach dem Motto: „Jetzt muss ich endlich mal im ECE-Center einkaufen“.

Das ECE-Center wird natürlich gewinnen, wenn es kommt. Aber nur, weil die Kaufkraft umverteilt wird. Das sagen die von ECE in der Zwischenzeit ja auch ganz unverhohlen. Für die ist es kein Problem, aber für alle anderen.

Wie sollen sich der Einzelhandel oder auch die Hauseigentümer dagegen zu rüsten?

Die Hauseigentümer müssen sich ganz einfach die Preisstruktur ihrer Mieten überlegen, ob sie soviel fordern müssen oder ob sie sich überlegen, dass es auch in ihrem mittel-/langfristigen Interesse sein sollte, die Innenstadt mit solchen Geschäften zu haben, die eigentümergeführt sind, aber auch internationale Ketten. Ich halte nichts von ausschließlich kleinen, schnuckeligen Geschäften. Wenn ich heute als Kunde irgendwo hingehe, möchte ich eben gerade diesen Mix haben zwischen schönen, kleinen eigentümergeführten Geschäften und guten internationalen Ketten, die auch das Sortiment haben, das ich nicht kenne und weswegen ich dann da auch hingehe. Das ist ja auch das Konzept von manchen guten Shoppingmalls in Asien oder in den USA. Auch die Werbegemeinschaften spielen eine wichtige Rolle im Wettbewerb zwischen den Kaufleuten und dem ECE-Center. Das ist übrigens etwas, um das ich mich auch sofort kümmern würde: Wie ist Oldenburg mit Fremdenverkehrsverein und City-Marketing aufgestellt? Wie viele Organisationen brauche ich da? Brauche ich nicht eine schlagkräftige Organisation, die das Marketing-Management für die Stadt insgesamt auch nach außen übernimmt? Da kann man mehr machen als bisher.

Neben der Innenstadt dürfen auch die Stadtteilzentren nicht vernachlässigt werden. Welche Entwicklungsmöglichkeiten sehen Sie für die Stadtteilzentren, um einerseits im Verhältnis zur Innenstadt attraktiv zu bleiben, andererseits aber eben dann auch nicht die Einkaufskraft zu sehr aus der Innenstadt herauszuziehen? Stichwort „Grüne Wiese“ oder „Famila“.

Also, Famila wird ja jetzt noch mal erweitern. Das wird natürlich ein Problem darstellen. Das ist völlig klar. Aber jetzt kann man dem Kunden natürlich auch nicht vorschreiben, wo er einkaufen geht. Aber da müssen sie nur z.B. die Nadorster Straße entlanggehen. Das ist ja punktuell wirklich trostlos. Aber da kann die Stadt natürlich auch nicht so viel machen. Das müssen die Eigentümer der Immobilien klären oder auch die Geschäfte. Die Stadt kann nur Anregungen geben.

Was man als Stadt auf jeden Fall lassen sollte, sind Behinderungen des Handels, so wie jetzt bei der Donnerschweer Straße. Wenn ich eine Umbaumaßnahme durchführe, darf ich sie nicht so machen, dass die Geschäfte auch noch Pleite gehen. Ich muss das mit den betroffenen Geschäften so abstimmen, dass die Belastung so gering wie möglich ist und so kurz wie möglich gehalten wird.

Im übrigen muss es einen Mix geben zwischen Stadtteilzentren, um für den täglichen Bedarf auch ausreichend Geschäfte zu haben, und dem, was Oldenburg attraktiv macht, nämlich die Innenstadt. Die Oldenburger sind ja auch auf die Innenstadt fokussiert. Also, selbst, wenn ich in Eversten wohne oder im Süden der Stadt: Ich radle ja trotzdem immer in die Stadt noch rein, aber nicht, um jetzt mal einen Liter Milch zu kaufen.

Wie stehen Sie zu der Ikea-Ansiedlung und der Entwicklung der Hafenstadt!

Bei Ikea bin ich ein bisschen gespalten, um ehrlich zu sein. Als Hochschullehrer benutze ich Ikea immer als leuchtendes Beispiel für gutes Marketing. Das ist auch eine Firma, die ich als Konsument verfolge, seitdem es sie in Deutschland gibt. Ich habe immer noch die Billy-Regale, die ich 1977 gekauft habe. Allerdings gebe ich zu: abgebaut im Keller. Aber trotzdem ich hab sie noch. Deswegen: als Kunde sehe ich Ikea mit einem lachenden Auge. Aus Sicht der Stadt bin ich mir nicht ganz sicher, ob das nicht auch wiederum zu einer Umverteilung führen wird. Es gibt ja hier auch eine Reihe von großen Möbelgeschäften. Für Designermöbelgeschäfte ist die Ansiedlung Ikeas unerheblich. Das ist ein anderes Kundensegment. Das ist völlig klar. Interessant fand ich ein Gespräch mit dem Inhaber eines Möbelhauses, der gesagt hat, er ist sowohl für das ECE-Center, allerdings in einem etwas anderen Sinne, als auch für Ikea, obwohl er weiß, dass Ikea ihm 10 bis 15 % wegnimmt. Aber er sagt, dass ziehe noch einmal Kaufkraft in die Stadt. Beim ECE habe ich meine Zweifel, bei Ikea glaube ich, dass das funktionieren kann. Da finde ich nur den Standort nicht glücklich. Der liegt ja so ungünstig, dass man kaum dort hinkommt, da die Bahngleise dazwischen liegen und die Schranken häufig geschlossen sind. Wenn Ikea tatsächlich kommt, muss da eine andere Verkehrslösung geschaffen werden.

Zur Hafenstadt: Die größten Bau“sünden“ hat man ja schon vor vielen Jahren gemacht. Das heißt, am eigentlich attraktiven Ufer, wo man Richtung Süden die langen Loggien und Terrassen hätte hinbauen können, da stehen jetzt öffentliche Gebäude. Jetzt eine Hafenstadt basteln zu wollen am Ufer, mit dem schönen Blick dann auf das MACO- und Peguformgelände, also, ob das ein architektonisches Highlight wird, da bin ich skeptisch. Hier muss man nah an der Innenstadt, also am Stau, ansetzen und die architektonischen Fehler der achtziger und neunziger Jahre in die Überlegungen einbeziehen. Grundsätzlich finde ich Leben am Wasser schön.

Gerd Schwandner Was fällt ihnen zu den folgenden Stichworten ein?

Oldenburgs Wirtschaft

Da denke ich spontan an den gerade aktuellen Artikel in der Wirtschaftswoche mit dem Städte-Ranking. Oldenburg hat dort mit Platz 28 nicht so gut abgeschnitten wie im Jahr davor (17. Platz), sondern ist dramatisch abgestiegen. Einer der Gründe für den Abstieg ist der Bereich der Wirtschaft, also die fehlende Wirtschaftsfreundlichkeit von Seiten der Stadtverwaltung. Das habe ich auch von vielen Unternehmern immer wieder gehört, mit denen ich in den letzten Monaten geredet habe, nämlich, dass die Stadtverwaltung zu wenig hilfreich ist, vor allem zu lange braucht und mit vielen Maßnahmen auch direkt oder indirekt „wirtschaftshemmend“ wirkt, um das mal freundlich zu sagen.

Wie wichtig ist Europa für Oldenburg?

Europa ist für Oldenburg sehr wichtig, aber Europa ist zu klein für Oldenburg. Wenn Sie heute erfolgreich wirtschaften wollen, dann müssen sie global aufgestellt sein. Da langt Europa schon lange nicht mehr.

Metropolregion Oldenburg/Bremen und Holland?

Und noch dazu der Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven, da werden jetzt Milliarden ausgegeben. Das wird das Gesicht des Nordwestens verändern. Davon muss auch Oldenburg profitieren. Oldenburg kann sich da profilieren als die Stadt, in der ein Teil des Logistik sein könnte, aber auch die Stadt, in der die Leute auch wohnen wollen. Oldenburg ist viel attraktiver als Wilhelmshaven. Man ist aber schnell dort an seinem Arbeitsplatz und hat hier einen ganz anderen Freizeitwert.

Die Zusammenarbeit mit Bremen und der gesamten Metropolregion ist sicherlich ein wichtiges Thema. Wir sollten aber den Süden von Oldenburg, also Vechta, Cloppenburg nicht vergessen. Weiterhin müssen wir darüber reden, ob nicht auch Ostfriesland und möglicherweise auch Osnabrück nicht dazu gehören sollte.

Für mich wäre aber das Wichtigste eine bessere schienengebundene Anbindung der Stadt Oldenburg an den Flughafen von Bremen, so dass der Flughafen in Bremen ein Flughafen Oldenburg-Bremen ist, den man erreichen kann, ohne über den Bremer Hauptbahnhof fahren zu müssen. Man muss in 20 - 25 Minuten mit dem Zug von Oldenburg dort sein. Das ist eine richtige Wirtschaftsförderung, weil man dann diesen heimischen Flughafen auch gegenüber der Wirtschaft, gegenüber internationalen aber auch nationalen Investoren gut verkaufen kann.

Auch die Niederlande sind sehr wichtig. Vor allem Groningen ist eine prosperierende Region. Und ich glaube, die Zusammenarbeit mit Groningen muss man im wirtschaftlichen aber auch im politischen und administrativen Bereich erheblich ausbauen. Dazu gehört aber auch, dass man besser nach Groningen kommt, auch da schienengebunden. Aber auch die Autobahn A 22 ist sehr wichtig. Detailfragen, die die Ökologie betreffen, will ich jetzt außer Acht lassen. Aber ich bin schon für die südlichste Lösung, weil sie Oldenburg nutzen kann.

Welche prominente Persönlichkeit würden Sie gerne einstellen oder mit wem würden Sie gerne zusammen arbeiten?

Ich halte von prominenten Persönlichkeiten nicht so viel, dass ich sie jetzt einstellen möchte. Man kann sich immer mit prominenten Persönlichkeiten beraten. Es ist aber wichtiger, dass man insgesamt eine gute Truppe im Rathaus hat. In Bezug auf die Rathausverwaltung glaube ich auch, dass man durch eventuelle Umorganisation gerade im Bereich der Wirtschaftsförderung auch potenzielle Stärken nützen kann, die bisher nicht ausgeschöpft werden. Ich würde aber ungern über das Personal des Rathauses öffentlich reden, das ist nicht mein Stil. Personalfragen muss man intern diskutieren. Zuerst muss man mit den Betroffenen diskutieren, dann mit den Betroffenen die Entscheidungen durchgehen und dann nach außen vertreten.

Wovon ich überhaupt nichts mehr halte, ist diese Gutachter-Sehnsucht, dass man z.B. die Roland Bergers, oder wie sie alle heißen, einfliegt, die dann zum 135.000ten mal das Gleiche verzapfen, was sie überall verzapfen. Das Geld kann man sich sparen. Was nicht heißt, dass man in ganz hoch gezielten Einzelfällen mal externen Sachverstand zu einem Spezial-Thema hinzuzieht. Aber, diese anderen, diese großen Entwürfe von … fast alles dummes Zeugs.

Da hat man ja manchmal den Eindruck, dass die Verwaltung mit der Einholung von Gutachten versucht, die eigene Verantwortung wo anders hinzuschieben, so nach dem Motto: Mögen die Gutachter uns doch die Entscheidung abnehmen.

Ja, da halte ich überhaupt nichts von. Diese Gutachter sind auch nicht demokratisch legitimiert. Das ist die Stadtverwaltung über die Wahlen, also über den Stadtrat. Letztlich muss man da auch Manns oder Frau genug sein, den Kopf für die eigenen Entscheidungen hinzuhalten.

Jetzt noch ein paar Stichworte zu Oldenburg:

Welches ist die schönste Ecke unserer Stadt?

Es gibt nicht „die schönste Ecke“, es gibt ganz viele schöne Ecken. Das ist für mich jetzt auch das Faszinierende, weil ich die Stadt ja wöchentlich intensiver kennen lerne, dass es hier überall ganz tolle Ecken gibt. Mir persönlich gefällt der Marktplatz ganz gut, weil er eine schöne Atmosphäre hat. Auch die Kombination zwischen Lambertikirche und Rathaus und bei schönem Wetter das fast schon mediterrane Flair dort. Das findet man aber auch überall in Oldenburg, wo man mit dem Fahrrad entlangradeln kann, z.B. am Kanal oder an der Hunte.

Der Stadt Oldenburg wünsche ich:

Geringere Arbeitslosigkeit, mehr Bevölkerungswachstum und die Reputation in der Bundesrepublik und darüber hinaus, die Oldenburg verdient.

Wie läuft bislang Ihr Wahlkampf? Sie haben jetzt ja schon erste Erfahrungen gesammelt. Wie werden Sie in Oldenburg angenommen?

Mein erster Eindruck ist, dass es überhaupt gar keine Vorbehalte gibt gegen einen Kandidaten von außen. Ganz im Gegenteil. Es tut der Stadt gut, wenn jemand eine Außensicht hat, weil er unvorbelastet von früheren alten Kämpfen und Gemengelagen mit einem etwas unparteilicheren Blick die Stadt und auch ihre Probleme sieht. Ich finde das grundsätzlich sowieso gut, dass sieht man ja auch an meiner Biographie. Man muss immer auch mal etwas anderes machen. Auch die Region wechseln, wo man lebt. Das verhilft zu einem erweiterten eigenen Blick, aber es hilft auch dort, wo man hinkommt, weil von Außen neue Anregungen kommen. Ich hab vorher ein bisschen zu despektierlich über die ganzen Consultingfirmen geredet. Die machen im Prinzip so was ja auch. Was mich daran ärgert, ist, dass die überall das Gleiche machen. Sie lassen sich nicht auf die jeweilige Stadt ein. Das ist etwas, was ich mache. Ich lasse mich voll auf Oldenburg ein. Dass ist auch das Tolle am Wahlkampf, dass ich innerhalb von kurzer Zeit die Stadt in ihrer ganzen Bandbreite kennen lerne.
Insgesamt werde ich sehr positiv aufgenommen. Natürlich wissen die Leute, dass ich der Kandidat der CDU bin. Also sagen sie natürlich schon sehr kritische Sachen über den Amtsinhaber und vor allem über die SPD. Manche unterscheiden da aber auch zwischen dem jetzigen OB und seiner Partei.

Bisher läuft der Wahlkampf ganz gut. Ich mache im Moment weniger Pressearbeit, weil ich nicht glaube, dass es viel hilft, wenn man jeden Tag in der Zeitung mit irgendetwas stehen würde. Mein Wahlkampf setzt ziemlich stark darauf, dass mich die Menschen persönlich kennen lernen, das heißt, ich gehe überall hin und auf die Menschen zu. Die Bürger sollen nicht nur in meine Bürgersprechstunden kommen, um über ihre Probleme zu reden. Sie sollen auch einen persönlichen Eindruck von mir erhalten, von dem, was ich denke; und gerade dadurch, dass diese Gespräche häufig ohne Öffentlichkeit stattfinden, kann man auch ehrliche, differenzierte Positionen austauschen. Das kommt ganz gut an, weil die Leute sehen, ich rede nicht etwas Vorgestanztes daher, sondern ich denke nach. Ich bin für Argumente zugänglich. Man kann selber Argumente vorbringen, und ich finde, ein kommunikativer Dialog-Wahlkampf ist eigentlich viel besser und den Problemen der Stadt auch angemessener.

Was für Erfahrungen haben Sie gemacht, wenn Sie Leute angesprochen haben?

Ich mache viele gute Erfahrungen. Was ich wirklich nicht erwartet habe ist, dass viele der Gesprächspartner sich ja schon vorher über mich informiert haben. Manche der Gesprächspartner bereiten sich ja auch auf ein Gespräch vor, so wie ich. Man könnte ja vermuten, dass es Vorbehalte gibt aufgrund meiner früheren politischen Tätigkeiten, das ist hier jedoch überhaupt nicht Fall. Verantwortliche in der Wirtschaft merken, dass ich auch weiß, wovon ich rede, und dass ich einen Wirtschaftshintergrund habe, ich unterrichte das ja auch. Trotzdem hatte ich schon ein bisschen mehr Vorbehalte erwartet. Aber das ist hier überhaupt nicht der Fall. Ich werde hier ganz offen aufgenommen. Auch daran merkt man, dass Oldenburg eine weltoffene und tolerante Stadt ist.

Ein Teil der Öffentlichkeit wirft der CDU vor, man hätte Sie extra deshalb zum Kandidaten gekürt, um eine gewisse Nähe zu den Grünen zu schaffen. In Ihren Äußerungen in diesem Interview klingt aber an, dass Sie viel Wert auf wirtschaftliche Entwicklung legen. Ist der Vorwurf, Sie seien ein „Lockvogel“ für die Grünen, berechtigt?

Nein, ich hab ja schon über meine Biographie auch bei den Grünen selbst gezeigt, dass ich für Wirtschaftsthemen stehe. Auf der anderen Seite halte ich den Gegensatz zwischen Ökologie und Ökonomie bei manchen Themen auch für einen Scheingegensatz. Es gibt aber andere Themen, bei denen es einen Konflikt gibt, und da finde ich, muss man bei der Güterabwägung auch manchmal die Kirche im Dorf lassen. Also, gerade beim Jade-Weser-Port gibt es da ja ein paar Themen. Das ist aber nicht Thema für Oldenburg. Man muss sich als Oberbürgermeister auch nicht in jedes Thema auf der Welt einmischen. Ein gewisses Maß an Bescheidenheit zumindest in der öffentlichen Debatte ist da ja auch nicht schlecht. Jetzt noch mal zu Schwarz-Grün: Das ist natürlich mit meiner Person auch eine politische Option. Dass ist völlig klar. Die Überlegung innerhalb der CDU, mich als Kandidaten zu nehmen, geht ja aber noch darüber hinaus, nämlich zu zeigen, dass die CDU eben eine weltoffene, bürgerlich-liberale Partei ist, auch eine moderne Großstadtpartei. Oldenburg ist eine moderne Großstadt. Insofern bin ich ein guter Kandidat für die CDU. Und das kann man nach außen vielleicht sogar besser transportieren, wenn der Kandidat so wie ich parteilich nicht gebunden ist, aber natürlich eine Nähe zur CDU hat. Insofern ist das von der politischen Strategie her ein ganz vernünftiger Schachzug gewesen – auch, wenn sich eine Partei modernisiert und verändert und auch mit Zukunftsthemen anders als bisher dann verknüpfen kann.

Gibt es denn Kontakte mit den Grünen?

Klar gibt es Kontakte, informelle. Formelle braucht man jetzt auch gar nicht. Die haben ihren eigenen Kandidaten. Das ist ja auch richtig so. Bei dem ersten Wahlgang müssen die größeren Parteien hier einfach mit einem eigenen Kandidaten ins Rennen gehen, um auch gegenüber dem eigenen Klientel zu zeigen, wofür man steht. Und dies muss sich dann auch in so einem Wahlergebnis ausdrücken. Deswegen halte ich es für völlig albern, was die FDP macht, die quasi gleich die weiße Flagge gehisst hat. Aber jeder ist seines Glückes Schmied.

Was machen Sie am Abend, wenn die Kommunalwahl gelaufen ist?

An dem 10. September machen wir eine nette Party, um für den 2. Wahlgang richtig zu mobilisieren. Und am 24. September feiern wir!

Dann drücken wir die Daumen für ein erfolgreiches Wahlergebnis!

Danke, das kann ich gut gebrauchen. Auf jeden Fall.


Das Gespräch mit Herrn Prof. Dr. Gerd Schwandner führten für die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung Oldenburg-Stadt Ralph Balkow, Mike Beenders und Patrick Miedtank.

Mehr über den Oberbürgermeisterkandidaten der CDU Oldenburg können Sie erfahren unter www.oldenburg2006.de.

 
Kontakt | Impressum |

Anzeigen



Termine 2010

26.Juni 2010
Infostand am Lefferseck mit der KPV

Freitag, 16. Juli 2010 "FiM" ab 17:00 Grillen bei der Vorsitzenden

[mehr Informationen]

Zitate von Ludwig Erhard

In Zeiten, in denen nur die Sonne scheint, in denen es eine wahre Lust ist, Unternehmer zu sein, gehört zu dem Bekenntnis der Freiheit wenig Mut und wenig Gesinnung – aber sich auch in der Bedrängung zum Prinzip der Freiheit und Freizügigkeit zu bekennen, das macht erst die wahre unternehmerische Haltung, die unternehmerische Bewährung aus.

MIT-Marktplatz

MIT-Marktplatz

Unternehmer des Monats

MIT-Marktplatz
Hier stellen wir jeden Monat einen Unternehmer aus unseren Reihen etwas persönlicher und intensiver vor. Sie bekommen einen tieferen Einblick in die Persönlichkeit des Unternehmers und in seine Unternehmenswelt.

Neues aus Berlin

Neues aus Berlin
Was gibt es Neues aus Berlin? Hier erfahren Sie, was gerade in unserer Hauptstadt alles so geht...
[ mehr Informationen ]

RSS-Feeds von der CDU

CDU Deutschlands - aktuelle Meldungen für CDU-Gliederungen

Zeitplan des Deutschen Bundestages 2009

Zeitplan des Bundestages 2009

Login

Unternehmen:

Passwort: